Die Nachbarin.
Die Sonne scheint.
Der Spielplatz liegt tot und verlassen da. Wie ein Feld das brach liegt und das von einem Hauch von Tod umweht wird, bevor es wieder zu Leben erweckt wird.
Doch auf diesem Spielplatz wird es kein Leben mehr geben. Auch die Sonnenstrahlen können darüber nicht hinwegtäuschen.
Die Spielgeräte sind kaputt. Die Zerstörer waren grenzenaustestende Jugendliche und der Lauf der Zeit.
Es gibt trotzdem noch eine Sache, die funktionstüchtig ist.
Eine Wippe.
Sie befindet sich so selbstverständlich im Zentrum des Spielplatzes als wäre sie gleichzeitig auch der Mittelpunkt der Welt.
In ihrer Mitte sitzt eine Frau. Sie hat den Kopf tief gesenkt und starrt auf ihre Fußspitzen. Sie ist um die 30 und relativ hübsch. Die Verzweiflung strahlt ihr aus jeder Pore. Die Sonne scheint sie nicht zu trösten, denn sie kann ihre Welt genausowenig erhellen wie den Spielplatz schön und idyllisch aussehen zu lassen. Nichts um sie herum findet ihre Aufmerksamkeit. Alle Trauer dieser Welt vereint sich in diesem Augenblick in einer einzigen Person.
Sie hörte die Schritte der Spaziergänger erst dumpf, doch sie wurden lauter und fester, bis sie das Gefühl hatte, eine ganze Armee würde durch ihren Kopf trampeln.
Wie ein Schlag ins Gesicht kehrte die Realität zurück. Sie sah die zwei Spaziergänger, doch sie nahm sie nicht wahr, sie sah nicht, dass es ihre Nachbarn waren. Sie wusste nur, dass sie weit von ihnen wegwollte. Dass sie auf keinen Fall ihren verletzlichen Kreis der Intimität betreten durften, der im Laufe der letzten Monate immer größer geworden war. Sie wollte der Gefahr entgehen, eventuell jemanden grüßen zu müssen. Sie wollte niemanden erkennen.
Sie rannte davon.
Wie immer.