Die Nachbarin.
Die Sonne scheint.
Der Spielplatz liegt tot und verlassen da. Wie ein Feld das brach liegt und das von einem Hauch von Tod umweht wird, bevor es wieder zu Leben erweckt wird.
Doch auf diesem Spielplatz wird es kein Leben mehr geben. Auch die Sonnenstrahlen können darüber nicht hinwegtäuschen.
Die Spielgeräte sind kaputt. Die Zerstörer waren grenzenaustestende Jugendliche und der Lauf der Zeit.
Es gibt trotzdem noch eine Sache, die funktionstüchtig ist.
Eine Wippe.
Sie befindet sich so selbstverständlich im Zentrum des Spielplatzes als wäre sie gleichzeitig auch der Mittelpunkt der Welt.
In ihrer Mitte sitzt eine Frau. Sie hat den Kopf tief gesenkt und starrt auf ihre Fußspitzen. Sie ist um die 30 und relativ hübsch. Die Verzweiflung strahlt ihr aus jeder Pore. Die Sonne scheint sie nicht zu trösten, denn sie kann ihre Welt genausowenig erhellen wie den Spielplatz schön und idyllisch aussehen zu lassen. Nichts um sie herum findet ihre Aufmerksamkeit. Alle Trauer dieser Welt vereint sich in diesem Augenblick in einer einzigen Person.
Sie hörte die Schritte der Spaziergänger erst dumpf, doch sie wurden lauter und fester, bis sie das Gefühl hatte, eine ganze Armee würde durch ihren Kopf trampeln.
Wie ein Schlag ins Gesicht kehrte die Realität zurück. Sie sah die zwei Spaziergänger, doch sie nahm sie nicht wahr, sie sah nicht, dass es ihre Nachbarn waren. Sie wusste nur, dass sie weit von ihnen wegwollte. Dass sie auf keinen Fall ihren verletzlichen Kreis der Intimität betreten durften, der im Laufe der letzten Monate immer größer geworden war. Sie wollte der Gefahr entgehen, eventuell jemanden grüßen zu müssen. Sie wollte niemanden erkennen.
Sie rannte davon.
Wie immer.
suicide of a life
Sie hatte 2 Tage nichts gegessen. 26 Stunden nicht geschlafen. Gedanken rasten durch ihren Kopf, wirr und unzusammenhängend.
Niemand bemerkte wie sie sich fühlte. Sie ging davon aus, dass sie ihr die Schuld geben würden. Sie einfach abstempeln würden. Schubladendenken. Sie hasste sowas.
Das Telefon klingelte. Sie wollte erst liegen bleiben, es ignorieren. Das Schrillen mit Gedanken übertönen. Doch bevor sie es schaffte, hatte das Klingeln schon wieder aufgehört. Sie atmete auf.
Sie hatte lange darüber nachgedacht, wie die Anderen ihren Entschluss verkraften würden. Ob sie traurig wären. Ob sie weinen würden. Die Anderen, das waren eigentliche ihre Familie und ihre Freunde, aber sie fühlte sich einsam und deswegen wollte sie nicht diese herzlichen Begriffe dafür verwenden. Familie und Freunde, das waren so heuchlicherische Wörter in ihren Augen. Es hörte sich so nach Vertrauen und Rückhalt an. Sie wusste, wie sehr das täuschte. Sie kannte die Wahrheit.
Trotzdem dachte sie darüber nach, wie ihr Fehlen aufgenommen werden würde. Eigentlich verrückt, dachte sie. Ich mach es ja nicht wegen ihnen. Sie hatte auch keinen Abschiedsbrief geschrieben.
Mittlerweile war es dunkel geworden. Sie zündete eine Kerze an, es war 19 Uhr. Sie hatte alle Vorbereitungen getroffen. Gleich würde es so weit sein. Sie hatte sich vor niemandem etwas anmerken lassen, ihr Plan war perfekt, doch etwas traurig war sie schon.
Das ist also das Ende hier, dachte sie.
Sie klappte ihren Koffer zu, stieg in ihr Auto und lenkte es Richtung Flughafen, wo ihre Maschine Richtung Südamerika wartete.
Das Ende war ein Neuanfang.
Das Leben und das Schreiben
Neuer Start in schönerer Umgebung. Leider trifft das nur auf das Schreiben zu. Das Leben bleibt wie es ist.